Allein der Arbeitstisch misst stolze 22 Meter, 15.10.2011
Kreisweite Einrichtung: 125 Einsatzfahrzeuge werden bedient

- Oberbrandmeister Holger Lutz und Brandmeister Sascha Gutscha gehören zu den erfahrenen Kräften im Schlauchpflegezentrum an der Feuerwehr-Hauptwache. Hier werden nach Einsätzen und Übungen täglich alle Schlauchtypen und -größen der Wehren aus dem Kreisgebiet gesäubert und gründlich überprüft. Der Pflegetisch, an dem die beiden gerade arbeiten, misst gut 22 Meter.

- Getrennt nach schmutzigen und gesäuberten Typen werden die Schläuche auf Rollwagen aufgereiht. Sie sind ausnahmslos einheitlich mit „WAF“ gekennzeichnet. Jede Wehr aus dem Kreis Warendorf kann nach Abgabe der gebrauchten Schläuche ihre Einsatzfahrzeuge sofort wieder mit sauberen und geprüften Exemplaren bestücken.
Würde man sie anei- nanderreihen, reichte die Länge aller seit 1996 an der Feuerwehr-Hauptwache Ahlen gereinigten Schläuche für eine direkte Verbindung zwischen der Wersestadt und Moskau sogar ein gutes Stück darüber hinaus. Dieser Entfernungsvergleich veranschaulicht einmal eindrucksvoll die gewaltige Arbeitsleistung des für alle Wehren im Kreis Warendorf zuständigen Schlauchpflegezentrums an der Hauptwache Ahlen am Konrad-Adenauer-Ring.
Es dürfte wohl kaum jemanden geben, der die Männer in ihren Schutzanzügen nicht schon bei Übungen oder gar im realen Einsatz dabei beobachtet hat, wenn sie von Tanklöschfahrzeugen, Hydranten oder Löschteichen Schläuche in Windeseile und mit großem Geschick bis zur Einsatzstelle verlegen. So mancher Schlauch präsentiert sich hinterher allerdings in mehr oder weniger stark lädiertem Zustand. In jedem Fall ist eine professionelle Reinigung fällig, eine Überprüfung auf erneute Belastbarkeit und mögliche Beschädigungen ebenfalls. Abgesehen von zumeist starker Verschmutzung können Scherben und scharfkantige Steine im Kunstfasergewebe leichte bis größere Schäden hinterlassen. Bei erneutem Einsatz und Druckbelastung drohen fatale Folgen. Denn wenn Löschwasser mit hohem Druck durch die Schläuche schießt, füllen sie sich bretthart auf.
Am häufigsten werden Druckschläuche mit einer Länge von 20 Metern verwendet, die von der jeweiligen Wasserentnahmestelle bis zum Einsatzort in benötigter Länge verlegt und über spezielle Kupplungen mitei- nander verbunden werden können. 88 Liter Wasser kann jeder von ihnen aufnehmen. Lediglich auf Dreh- leitern – was aber deutlich seltener der Fall ist – werden 35 Meter lange Schläuche gegen die Flammen gerichtet.
Bis zur Fertigstellung der neuen Hauptwache am Adenauer-Ring im Jahr 1995 mit ihrem weithin sichtbaren, 25 Meter hohen Schlauchturm hatte jede Wehr der einzelnen Städte und Gemeinden im Kreisgebiet ihre eigenen Schläuche. Was auch am Aufdruck abzulesen war. Hin- und Rücktransport sowie Pflege vollzogen sich größtenteils an den Feuerwachen in Ahlen und Beckum.
Mit dem Neubau und der zentralen Schlauchpflege des Kreises Warendorf in Ahlen änderte sich auch der „Eigentümer-Stempel“ auf jedem Schlauch. An die Stelle des Ortsnamens rückten die kreisweiten und mit dem Autokennzeichen identischen drei Buchstaben „WAF“. Nur einzelne Stücke tragen heute noch die „Haus- marke“, wie zum Beispiel den Ortsteilnamen „Vorhelm“. Kommen sie in die Wäsche, so ist es durch einen neuen Stempelaufdruck auch mit ihrem kommunalen Eigenleben aus längst vergangener Zeit vorbei.
Im Kreisgebiet Warendorf sind rund 125 Fahrzeuge der Wehren mit Schläuchen unterschiedlicher Größen bestückt. Am häufigsten sind B- und C-Schläuche im Gebrauch, was sich auch in den Stückzahlen ausdrückt, die in der Kreisschlauchpflege Ahlen vorgehalten werden: 600 B- und 400 C- Schläuche liegen in Rollwagen ständig auf Abruf bereit.
Zwar erleichtern heutzutage schon mechanische Einrichtungen den Reinigungs- und Pflegevorgang, doch ganz ohne Handarbeit geht es noch längst nicht.
Nahezu täglich liefern die Wehren aus dem Kreis schmutzige Schläuche in Ahlen an. Der Aufzug transportiert sie in die untere Etage zur Schlauch-Waschma- schine, wo sie von der Besat zung dieser Abteilung mit geschultem Auge nach Durchmesser und Länge sor-tiert werden. Je nach Verschmutzungsgrad werden die Schläuche vorgeweicht und anschließend auf einem gut 22 Meter langen Tisch durch die mit Ober- und Unterbürsten ausgestattete Schlauch-Waschmaschine gezogen.
Doch damit nicht genug. Auf einer speziellen Prüfstation wird das im Einsatz strapazierte Gewebematerial mit Hilfe einer Vorfüll- und einer Hochdruckpumpe einem unerbittlichen Druckbelastungstest unterzogen. Dafür wie auch für den Waschvorgang setzen die prüfenden Wehrleute einer Zisterne entnommenes Regenwasser ein. Hauptbrandmeister Michael Brinkkötter, an der Hauptwache für das Geräteprüfwesen und den Werkstattbereich zuständig: „Die eigene Zisterne ermöglicht uns eine riesige Ersparnis an Trinkwasser.“
Zwar ermögliche die Anlage einen Einmann-Betrieb durch gleichzeitiges Waschen, Prüfen und Aufrollen von jeweils zwei Schläuchen, doch in der Regel seien zwei bis drei Leute tagsüber in der Anlage beschäftigt.
Text und Fotos: (c) Rolf Kersting, Ahlener Zeitung

